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© Jana Madzigon

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Kunst oder Fashion. nextroom fragt Christoph Ziereis

Jahrhundertealte Muster machen den klassischen Orientteppich zum Kulturgut. Trotzdem ist er aus dem Fokus geraten. Wie gelingt eine Wiederverknüpfung dieser Form von Volkskunst mit heutigen Ansprüchen? nextroom fragt Christoph Ziereis, Geschäftsführer von Oritop. Eine Reportage von Martina Pfeifer Steiner.

Teppichstapel auf dem Boden, weitere Prachtstücke hängen an der Wand. Es ist bloß die riesige Lagerhalle eines Großhändlers und doch kann man sich dem besonderen Charme nicht entziehen. Jedes Stück erzählt eine Geschichte, erzählt von Tradition, Begegnung, Zeit und Natur, erzählt vom alten Wissen um eine hohe Kunst. Wenn Christoph Ziereis sagt, er sei Teppichhändler, wird er oft belächelt. Ein altmodischer Beruf? Nein, so wie er es betreibt, ist es ein vielschichtiger und sehr abwechslungsreicher! Dabei ist Christoph Ziereis Quereinsteiger und kommt vom Werbefilm. Sein Schwiegervater, Fritz Langauer, der sich im Jahr 2000 von der Detailhandelsfirma Adil Besim getrennt hatte, verlegte die seit 1973 in Zürich bestehende Oritop nach Wien. Überraschenderweise begann die Nachfrage der großen Möbelhäuser zu boomen, und so folgte nicht nur Christoph Ziereis dem Ruf ins Familienunternehmen, sondern auch seine Ehefrau Julia. „In unserem männerdominierten zehnköpfigen Team sind ihre weiblichen Sichtweisen und Kreativität sehr wertvoll!“, bekräftigt der Geschäftsführer.

Spezialisiert hat sich Oritop auf handgeknüpfte Teppiche aus Afghanistan. Dort werden diese noch in „Hausfleiß“ hergestellt, das bedeutet: in handwerklicher Tradition, mit altem Wissen, an den Knüpfstühlen in den Dörfern. Industrielle Fertigung in Akkordarbeit gibt es in Afghanistan eigentlich nicht. Natürlich ist die jahrzehntelange Erfahrung des Familienunternehmens hilfreich, um mit dieser Volkskunst umzugehen, denn man kann den TeppichknüpferInnen nicht jedes Detail vorgeben. Geringfügige Toleranzen bei den Farben und der Größe sind einzukalkulieren, dafür kriegt man jedoch handwerklich hochwertige Unikate.

Die Zeiten haben sich aber geändert. Den Teppich als Wertanlage sehen die Leute kaum mehr, doch die Wertschätzung von Qualität, von naturgefärbter Wolle, hoher Knüpftechnik, der Sinnlichkeit und Atmosphäre, wie ein solches Stück altert, ist groß. Es gibt 150 Jahre alte Teppiche, die in Gebrauch immer schöner werden – Qualität bedeutet auch Nachhaltigkeit. Und es hat sich der Geschmack gewandelt. Dass der Teppich zunehmend ein Fashionprodukt geworden ist, darauf hat Christoph Ziereis schon reagiert. Seine Eigenproduktionen interpretieren die alten Muster neu. „In zeitgenössischen Designs gehen wir zurück zu den Wurzeln und bringen den handgeknüpften Orientteppich in die heutige Zeit. Wir gehen auf den modernen Lifestyle ein und bleiben trotzdem klassisch, was nicht nur bezüglich Qualität Langlebigkeit bedeutet.“ ‘Treasures oft the Past’ nennt Oritop diese Kollektion, und es bedarf schon viel Know-hows sowie intensiver Betreuung und Schulung vor Ort, dass auch die TeppichknüpferInnen diese Entwicklung mitmachen können.

Neuland betritt Oritop in der Zusammenarbeit mit KünstlerInnen und ArchitektInnen, die eigene Designs mit Teppichen verknüpfen. Auch hier bringt das Team um Christoph Ziereis die umfassende Erfahrung ein und wird zur Schlüsselstelle für die Umsetzung. Das bedeutet auch, dass sich die Firma bei Großaufträgen, beispielsweise von Hotels in Dubai oder bei modernen Kollektionen für bekannte Ketten, nicht wie bisher als Großhändler im Hintergrund halten wird, sondern Strukturen schafft, um mit den Designern und Auftraggebern gemeinsam die textile Ausstattung für Projekte zu entwickeln. Die Zeit ist reif für ein wiedererwachendes Bewusstsein, was ein Teppich im Raum und bei der Inszenierung des Interieurs bewirken kann.

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